Warum weder Linknetzwerke noch Linkcluster auf Dauer funktionieren

Dieses Frühjahr wieder von SEOs auf der Campixx2010 als effektive Möglichkeit des Linkbuilding präsentiert.

©Joachim S. MüllerLink-Cluster reissen schnellLink-Netzwerke reissen schnell

Sinn und Zweck des Ganzen: Der Link-Cluster ist der Fahrstuhl, mit dem neue Web-Sites in Google ganz nach oben transportiert werden sollen.

Mehr dazu in dieser Präsentation.

Klingt ja soweit alles ganz toll und Bits sind ja geduldig.

Knackpunkt 1

Slide 10: Gebrauchte Domains sind "der beste Weg für den Aufbau eines effektiven Linkclusters".
Schön, schön! Klingt ganz einfach, aber woher nehmen und nicht stehlen? Zwar gibt es genug Dienste, die das anbieten, aber das auf dem Domainmarkt geht´s zu wie beim Abschleppbusiness, der Schnellste macht das Rennen. Das heißt ohne Erfahrung und eine gute Sniper-Software, die blitzschnell zuschlägt und direkt registriert ist man verloren. So wie Otto Normalverbraucher beim Hoster registrieren und 10 Minuten später hat man die Domain, vergiß es! Die Profis haben Ihre persönlichen Kontakte beim Registrar. Die wirklichen Top-Domains kommen doch gar nicht in den Handel, die gehen vorher unter der Hand weg.
Hier ein Bericht aus der Praxis:

Kommt immer auf die TLD an. Bei .de kannst du das vergessen, die Domains gehen innerhalb von Sekunden wieder weg. Bei CNOIB ist das sogar im Milisekundenbereich! Also Ja, wenn es CNOIB ist, dann hast du keine andere Wahl, als über Snapnames, Pool oder Namejet zu gehen. Meistens landet Sie dann bei einem der Snapdienste.

Wer´s mal versuchen will:

Catchdomains, Domainbroadcasting aber da gibt´s dann so tolle Domains wie sam01.de oder rk48.de

Als Jäger der gebrauchten Domain braucht man viel Erfahrung, gute Kontakte und die richtige (also in jedem Fall kostenpflichtige) Software. Dafür muss man sich seine Reputation jahrelang in den entsprechenden Kreisen aufbauen.

Knackpunkt 2

Slide 12: Web-Sites ausstatten.
Nur ein Domain-Name reicht nicht, es muss da auch was passieren. Also muss Content her, der muss aber geschrieben, gemalt, fotografiert, gedreht oder – wie meist üblich – dreist zusammengeklaut werden.

Diese Inhalte müssen mehr als ein Mindestmaß an Relevanz aufweisen, denn schließlich sollen sie nachher Linkpower vererben.
Das ist wie bei der Schweinezucht: Wenn Sau und Eber nicht gut im Saft stehen, wird das nichts mit kräftigen kleinen Ferkelchen.
Es ist also nicht damit getan, einmalig Content auf die Sites zu klatschen, Google will da schon ein bisschen mehr Leidenschaft sehen. Also schön kontinuierlich anfüttern.
Das kann in Stress ausarten, aber die Technik kommt uns zur Hilfe.

Knackpunkt 3

Das Beste zum Schluss. Slide 13: "Immer natürlich bleiben" – euphemistischer Ausdruck für "Google hasst Linknetzwerke". Also immer schön vorsichtig sein, Google stellt nicht umsonst die schlausten Techies eines Jahrgangs ein. Schon 2007 wurden die ersten Whitepaper zum Thema "Link-Spam entdecken" präsentiert.
Auch Yahoo! hat ein Patent angemeldet, mit dessen Hilfe "unerwünschte Web-Sites" identifiziert und dann ausgemerzt werden können.
Es ist richtig aufwändig ein Linknetzwerk vor Google zu verstecken. Unter anderem muß man

  • sämtliche Registrar- und Whois-Daten verschleiern,
  • die eigene Identität (Impressum) hinter einem Netzwerk aus Firmen und Freunden verbergen,
  • unterschiedliche Registrare nutzen, gerne auch weiträumig geografisch verteilt,
  • die unterschiedlichsten Hoster nutzen, auch diese möglichst gut verteilt.
  • Design-, Coding- und Linking-Footprints sind unter allen Umständen zu vermeiden. Also für jede Site ein komplett anderes Template.

Sinnvoller als das alles alleine zu stemmen, ist es sicherlich, wenn mehrere SEOs sich zusammentun und ein Kartell bilden. Dann hat man gleich mehr Varianz im Netzwerk.

Fazit

Wenn man sich die Arbeit zu einfach macht, kommt Google dem Netzwerk irgendwann auf die Schliche. Macht man alles wasserdicht, hat man so viel Arbeit investiert, dass man auch gleich zu ehrlichen Methoden hätte greifen können.

Der SEO will also mit Linknetzwerken in Googles Ökosystem kontrollierten Traffic erzeugen und das auf eine Art, die Toruk, dem letzten Schatten ganz und gar nicht gefällt.
Wie schlau ist das?
Meine Oma hat immer gesagt: Die Hand, die einen füttert beißt man nicht.
Ich generiere meinen Traffic auf eine Art und Weise, die morgen schon vorbei sein kann? Kein guten Aussichten, aber vielleicht bin ich auch nur konservativ. Ich würde mich auch nie auf der San-Adreas-Spalte niederlassen.

Was sagen die anderen?

Hier ein interessantes Interview mit Craig Newmark zum Thema "The next big thing on the web":

The question of who to trust online, according to Newmark. To solve it, he believes that what the web needs is a “distributed trust network” that allows us to manage our online relationships and reputations.

Linknetzwerke sind die komplette Negierung dieses Ansatzes.

Ebenfalls sehr interessant: "John Battelle On The Future Of Search":

So, what are we transitioning to? If search doesn’t deliver on our expectations in its current form, what form might it take? Perhaps it’s not so much an “engine” as an application.

Auch in diesem Modell haben Linknetzwerke keinen Platz.

SEO ist nur dann gut, wenn man es seiner Mutter erklären kann ohne rot zu werden.

Wohin man auch schaut, egal ob Seth Godin, Guy Kawasaki, unser heimischer Robert Basic oder aktuell Sascha Pallenberg: All diese Leute sind nicht durch irgendwelche Linkbuilding-Strategien groß geworden, sondern haben sich auf ihr Ding konzentriert und das dann durchgezogen.

Hinter den Link-Netzwerken steckt ein falscher strategischer Ansatz. Statt sich zu überlegen: Was kann ich meinem Kunden bieten, so dass er immer wieder kommt? Statt sich also einzigartig zu machen, wird lieber Geld in ein wackeliges Fundament investiert.

 

Und was sagen Sie?

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