Warum ich nicht mehr für Geld schreibe

Kurz gesagt: Weil es sich nicht lohnt.

©Dirk GentlySchreiben gegen Geld bringt´s nichtFür die paar Kröten lohnt sich das Schreiben nicht

Ich habe von einem seriösen und kompetenten Betreiber einer E-Learning-Plattform das Angebot erhalten für diese Plattform zu schreiben. Das Angebot war auch durchaus marktüblich, kein 4€-Textsklaven-Halsabschneider-Angebot. Soweit alles ganz fair.
Entweder prozentuale Beteiligung oder 75 € - 120 € fix, VG Wort oben drauf, die Rechte bleiben bei mir.

Meine Abwägung

Für das Angebot spricht

  • es gibt Geld
  • es gibt Reputation

Gegen das Angebot spricht

  • Keine freie Themenwahl. Ich muß schreiben, was gefällt.
  • Begrenzte Reichweite. Wen mein Artikel "Verstehen Sie Ihnen SEO-Vertrag" hinter einer Zahlschranke verschwunden wäre, hätte er nicht für so viel Wirbel gesorgt. Ich hätte viel weniger Besucher bekommen und keinerlei Links.
  • Durch die geringere Reichweite ist auch der Reputationsgewinn begrenzt. Wenn ich mir so ansehe, wer freiwillig hier im Blog vorbei kommt und wer bereit ist, sich als Twitter-Follower einzutragen, dann freut mich das ungemein. Ich bin mir sicher: Eine Paywall hätte diese Menschen zuverlässig geblockt.

Fazit

Eine kleine Sache jetzt oder eine große Sache später

Als Student habe ich mir mein Studium mit Artikeln für PC Zeitschriften finanziert. Damals (1993) gab´s für eine Seite (ca. 4.000 Zeichen) 300 DM zzgl. MwSt. Reich wurde man damit nicht, aber

  • der Stundensatz war ok,
  • es gab echtes Geld sofort und keine Versprechungen auf die Zukunft (wenn der Artikel in 6 Monaten x-mal gelesen wurde, bekommen Sie y% vom Adwords-Umsatz...)

Heute sind die Preise so verfallen, daß - zumindest für mich - die paar Kröten, die ich sofort verdienen kann den strategischen Langfrist-Vorteil nicht aufwiegen. Brandbuilding und Reputationsaufbau sind mir wichtiger. Und dafür brauche ich

  • interessante Artikel,
  • Reichweite, Reichweite, Reichweite.

Dazu kommt noch

  • der Wunsch nach Kontrolle: Alles was ich hier auf meinem Blog veröffentliche kann ich unmittelbar inhaltlich und optisch kontrollieren.
  • der Spaßfaktor: Ich entscheide worüber ich schreibe und welche Worte ich verwende um das, was ich zu sagen habe zu sagen. Hier kann ich in Ruhe vor mich hin schachtelsatzen, ohne das die Schlußredaktion mit dem Duden wedelt.

Schreiben und direkte Monetarisierung - der Zug ist abgefahren. Artikel sind keine Einnahmequelle, sondern werden aus dem (Selbst)marketing-Budget bezahlt.

2 Kommentare

Andreas Petersell sagt:
(12.5.2010 - 15:39 Uhr)

Aber mit irgendetwas müssen Sie doch Ihr Geld verdienen. Wollen Sie es uns verraten?


Albert Warnecke sagt:
(16.6.2010 - 14:23 Uhr)

Zum einen mit Beratung. Kommerzielle Web-Siten stehen ja nicht einfach so herum, sondern sind in Prozessketten eingebunden. Da stellt sich die Frage: Wie macht man das am besten? Hier helfe ich Firmen eine für Sie passende Lösung zu finden.
Zum einen mit “Bauleitung”. Um eine professionelle Web-Site zu bauen, sind viele Gewerke nötig. Grafiker, Web-Designer, Programmierer, SEOler, Usability-Experten, PR- und Marketing, Vertrieb…
Damit diese einzelnen Bereiche koordiniert und sinnvoll zusammenarbeiten braucht es einen Projektleiter, bei dem alle Fäden zusammenlaufen und der mit der Geschäftsleitung Fortschritte und Probleme bespricht und Lösungen anbietet.


Und was sagen Sie?

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