Twittern tut not!
Warum twittern so wenige Vorstände? Was für eine Frage! Warum gehen so wenige Vorstände mit einer Fackel in ein Dynamitlager?
©shanii
Müssen Vorstände wirklich twittern?
Weil die Sprengkraft zu hoch ist, deshalb! Nicht umsonst hat jeder Konzern, der etwas auf sich hält eine PR-Gestapo, über deren Tische die Außenkommunikation läuft.
Ein Vorstand wird nicht als Mensch, sondern als Mandatsträger wahrgenommen und so wird jede Äußerung auf die Goldwaage gelegt, interpretiert und analysiert. Ein Vorstand kann es sich nicht leisten einfach etwas daher zu twittern, dazu ist sein Hebel zu groß. Ein Großunternehmen ist ein Dickschiff das auf Kurs gehalten werden muss, turbulent schwankende Aktienkurse und konfuse Berichterstattung sind da kontraproduktiv.
Das sieht man doch bei den Parteien, alles quakt munter durcheinander, keine klare Linie zu erkennen, so kann kein Unternehmen langfristig Geschäfte machen. Millionen-Deals tütet man am besten diskret und ohne viel Tamtam ein.
Die Häme und den Spott in den Kommentaren dieses Artikels kann ich nicht nachvollziehen.
Auch das Verhalten der Kollegen im Artikel ist sinnvoll und nachvollziehbar. Es gibt firmeninterne Regelungen und die wurden eingehalten. Sorry, es geht hier um 140 Zeichen, dafür werde ich als Angestellter doch nicht zum Regelbrecher. Befehlsnotstand geht anders.
Die Hauptaufgabe eines jeden Angestellten ist es, seinen Chef zufrieden zu stellen.
Sie sind ein Musterexemplar eines Angestellten: Sie engagieren sich, machen Ihre Vorgesetzten glücklich, rund um die Uhr. Egal ob Ihnen die Arbeit Spaß macht oder nicht..
Im Verhältnis des Arbeitgebers zum Arbeitnehmer ist ersterer der zahlende Kunde. So gilt das eben auch für einen Arbeitnehmer im Hinblick auf seine Vorgesetzten. Hier ist ein möglichst hoher Grad an Zufriedenheit zu erreichen, selbst wenn Chefs einmal dumm oder inkompetent sein sollten.
Soweit Heiko Mell in seiner Karriereberatung (Zitat 1, Zitat 2).
Genau das haben die Angestellten in dem Beispiel getan: Sich an die Regeln gehalten und niemanden brüskiert. Denn: Ist der Chef zufrieden, ist der Arbeitsplatz ein kleines bisschen sicherer geworden. Und das ist viel Wert in diesen Zeiten, dafür erträgt man die Häme der SM-Experten gerne.
Ein bisschen Literatur
Für alle, die direkt nach der Ausbildung in die Selbständigkeit gestartet sind, bzw. nie mehr als 40 Kollegen hatten:
- Die Karrieretips des Dr. h.c. Heiko Mell. Wunderbar lebenspraktisch und realistisch, nicht nur für Ingenieure.
- Die Strategien der Vorstände stehen im Buch Power: Die 48 Gesetze der Macht
- Immer wieder lesenswert: Werke der Herren Lorenz und Eibl Eibelsfeld. Verhaltensforschung geht immer.
Wer twittert?
Twitter ist für Menschen, nicht für Mandatsträger. Wenn es um die Sachebene geht, ist Twitter ein feines Tool. Nachrichten, Links, Infos trägt der Twitterstrom geschwind heran. Aber für alles andere sind die verschwiegenen Altarme (aka „Laß uns mal essen gehen“) doch deutlich besser geeignet.
Institutionen können nicht twittern, jedenfalls nicht so, dass es spannend oder interessant wäre. Das liegt nicht in ihren Genen, das ist nicht ihr Element.
Und was sagen Sie?