Social Media skaliert nicht

Social Media bedeutet Gespräch, Kommunikation, Dialog, Gedankenaustausch, Debatte, Meinungsaustausch, Beziehung.

©Denis ColletteSocial Media: Nicht alles was glänzt, ist GoldSocial Media, bunt und prächtig,
aber keine Reichweite

So wird es mal mehr, mal vehement eingefordert.

Also alles Dinge, die individuell sind, nicht unbedingt planbar sind und von ihrem Wesen her nicht auf Reichweite ausgelegt sind.
Trotzdem sind Unmengen an Leuten unterwegs, die SM als Ablaichplatz für ihre Reklame nutzen. Das kann doch nicht funktionieren.
Während ich bei Google das nehmen muss, was Google mir auf der ersten Seite der SERPs präsentiert, kann ich bei Twitter unfollowen und bei Facebook unfrieden. Bei Google kann ich gegen den Spam nichts machen, bei SM reicht ein Klick und die Burschen sind für immer im Orkus verschwunden.

Hier ein schönes Beispiel, wie Twitter auf der Cebit als Plakatwand missbraucht wird.

Hier ein Beispiel, wie´s besser geht.

Dieses ganze SM-Marketing erscheint mir doch sehr von Verzweiflung getrieben. Man schmeißt immer wieder denselben Frosch gegen die Wand und hofft, dass ein Prinz draus wird.

Ich hatte keine 24 Stunden nach meinem Twitter-Start 15 Follower. Ich habe mir die Tweets angesehen und keiner hat überlebt, alle geblockt. Was soll das? Worauf hoffen diese Leute? Das ich aus Höflichkeit und Verpflichtungsdenken „Du folgst mir, also folge ich Dir auch“, sie auf meine Liste nehme?

Aber dann habe ich ein wenig recherchiert und den

Gipfel der Perversion – automatisierte Twitter-Tools

gefunden.

Vorab erst mal ein Zitat aus Twitter von Jeff Jarvis:

Garyvaynerchuk tells entrepreneur bluntly that he hates her idea for an automated twitter app for brands.

Eins A, da hat Mr. Vaynerchuk ja mal vollkommen recht. Das läuft so: Die Spammer hoffen auf ein Auto-Follow, d.h. man folgt automatisch jedem, der einem auch folgt. Das lässt sich mit entsprechenden Tools einrichten.

Braucht aber kein Mensch. Menschliche Auswahl ist einfach besser, das sagt einem jeder Münchner Türsteher. Dieses Auto-Follow führt dann zu Accounts mit 18.456 Followern und man selbst folgt 19.056 Leuten. Hallo, wie soll das gehen? Ich folge nicht einmal 30 Leuten und tue mich schwer, ab 50 wird´s grenzwertig und mehr als 100 Leuten kann man definitiv nicht folgen. Nun gut, vielleicht bin ich zu alt und beantworte die Frage „Liest du noch, oder scannst Du schon“ einfach falsch.

Aber ich suche mir aus, wem ich folge und die Arbeit dieser Leute interessiert mich und deshalb möchte ich auch mitkriegen, was sie zu sagen haben.

Meine liebsten sind eh die Link-Twitterer, die Befindlichkeits-Twitterer fliegen meist schnell wieder raus. Der Linkanteil am Tweetstrom sollte so 70% - 80% betragen.

Die Spammer

Da SM systembedingt nie die Reichweiten bringen kann, die klassische Reklame bringt, automatisieren die Marketeers in ihrer Verzweiflung die Kommunikation. Und wieder einmal soll Software das retten, was Menschen verbockt haben. Das zu Zeiten von Word 1.0 nicht geklappt und wird auch im Web 2.0 nicht funktionieren.

Wenn man in Google „automatisierte Twitter Markteting Tools“ eingibt kann man sich kaum retten von Einträgen.

Besonders populär scheinen die Follower-Bagger zu sein. Jetzt anmelden und 200 neue Follower gewinnen…

So ein Quatsch, mir doch egal, wer mir folgt. Solange ich genug interessante Leute finde, denen ich folgen kann ist alles gut. Auf Twitter habe ich eh nichts zu sagen, dafür gibt´s das Blog. Ich bevorzuge die Langform.

Auch ganz toll: Ein Twitter-Cron. Zeitgesteuert und automatisch werden die Tweets abgefeuert. Super! Egal was ich mache, mein Twitter-Account erbricht rund um die Uhr und äußerst zuverlässig seine Penisverlängerungs-Tweets. Für nur 9,99$/Monat, zahlbar mit jeder handelsüblichen Kreditkarte.

Anyway, hier eine kleine Liste der Marketing-Heinzelmännchen: itweetu,socialoomph, tweetadder, twitaddictrebates, tweetingmachine. Das ist nur eine winzige Auwahl, es gibt aber Dutzende weiterer Scripte.

Aber, es gibt auch eine gute Nachricht: Mit Twerpscan.com wird man die Spammer wieder los.

Nachtrag

Im Adzine Newsletter vom 11. Februar 2010 schreibt Chefredakteur Arne Schulze-Geißler über Facebook-Spam.

Je mehr wir mit inhaltslosen Meldungen zugemüllt werden, desto weniger Bedeutung bekommt die Einzelmeldung, erst recht wenn sie kommerziellen Charakter hat.

Die persönliche Ansprache ist eben durch nichts zu toppen. Aber die skaliert leider nicht.

 

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