SEO als Landplage
So wie SEO heute betrieben wird, ist es sinnlos und nervig.
©joseframm
Keine Feier ohne Geier
Gehen wir das Ganze nach der Methode Feuerzangenbowle an: Wat is'n SEO? Da stelle me uns mal janz dumm.
SEO besteht aus zwei Komponenten. Onpage und Offpage.
Onpage: Die eigene Seite betreffend, also alle Elemente der eigenen Präsenz
Offpage: Faktoren, die außerhalb der eigenen Site liegen, also die gesamte Verlinkung.
Onpage
Die eigene Präsenz muss nutzergerecht konzipiert und strukturiert werden und dann sauber implementiert werden.
Die Fachleute für ersteres sind die Usability-Experten, für die Umsetzung braucht man dann eine Agentur, bzw. einen Web-Designer, der sich das Thema standardkonformes und barrierefreies Webdesign auf die Fahnen geschrieben haben.
Wenn Usability-Experten und Web-Designer ihren Job gut gemacht haben, ist das Resultat eine Web-Site,
- die die Sprache der Nutzer spricht => Suchbegriffe der Nutzer auf Google passen zu den auf der Site verwendeten Keywords.
- die so organisiert ist, dass die Nutzer sich zurechtfinden => auch der Bot kann den Links schnell folgen, die Site wird gut indiziert.
- die schlank programmiert ist, so dass die Seite schnell lädt => Google belohnt Performance, die relevanten Inhalte sind leichter zu erkennen.
Und nein liebe SEOs es ist egal, ob man den Link zum Impressum mit nofollow belegt oder nicht. Dieses ganze taktische Gemurkse verstellt doch nur den Blick aufs Wesentliche.
Offpage
Ich kann´s nicht beweisen, aber ich habe das dringende Gefühl, dass die Social-Media-Strategie der meisten SEOs so aussieht: „Laßt uns 500 Mr. Wong-Accounts befüllen“.
Linkbuilding gehört in die Hände einer kompetenten PR-Agentur. Einer Agentur, die nach den Prinzipien von David Meerman Scott arbeitet.
Im Gegensatz zum SEO, der heute eine Waschmittel-Site und morgen eine Automobil-Site in „optimiert“, kennt sich die PR-Agentur auf ihrem Gebiet aus und weiß, wen sie ansprechen muss. Da bereits Verbindungen bestehen, kann die PR-Agentur die neue Site auch viel schneller platzieren. Außerdem ist automatisch sichergestellt, dass die Links aus einem relevanten Umfeld kommen.
Eine gute PR-Agentur kennt nicht nur die Verantwortlichen der klassischen Branchenpublikationen, sondern weiß auch wer über das Thema bloggt, bzw. rein online über ein Thema berichtet (als Beispiel sei Jochen Krischs Exciting Commerce genannt).
Fazit
SEO ist ein Snake oil-Business.
Wenn man die SEO-Artisten so in freier Wildbahn beobachtet, fällt einem doch der beschränkte Horizont auf. Links kobern können sie, aber von einer Gesamtstrategie ist man da doch meilenweit entfernt. SEO ist nicht der Nabel der Welt, sondern ein Teil des Online-Marketings. Das wiederum ist ein Teil des Marketings und das Marketing ist Teil der gesamten Öffentlichkeitsarbeit einer Firma (PR, Marketing, Messen…) und die Öffentlichkeitsarbeit wiederum ist Teil der Gesamtstrategie „Wie nehmen wir mehr Geld ein, als wir ausgeben…“.
Die Frage „Nehm´ ich lieber „key-word-domain.de“ oder „keyworddomain.de“ ist da nicht wirklich relevant.
Was mir persönlich besonders an der SEO-Kaste stinkt, ist die Windhund-Mentalität. Dieses „Wie kann ich tricksen und täuschen und mich nach vorne mooglen.“ Ziel ist der erste Platz in den SERPs, ob die Site dem Nutzer etwas bringt, interessiert nicht. Wenn Google die Regeln verschärft, um der Spam-Problematik zu Leibe zu rücken, geht in den einschlägigen Foren das große Geheule los „Google ist böse zu mir, Google hat mich aus dem Index geschmissen…“. Nach dem Geheule geht es dann nur noch um die Frage: „Welche Tricks muss ich einsetzen, um wieder nach oben zu kommen?“
Die selbstkritische Frage „Warum hat Google mich auf die hinteren Plätze verbannt?“ stellt sich niemand.
Ein Beispiel
Auf Google „eidechsen“ eingeben. Auf Platz 3 steht der www.eidechsenshop.de. Ein typischer Vertreter der windhündischen MFA-Fraktion.
Gefüllt mit Wortmulch, der auch noch sachlich falsch ist. Auf dem Titelbild ein grüner Leguan, mit der Bildunterschrift
Die kleinen Echsen mit dem interessanten Aussehen sind echte Allesfresser. Und das im wahrsten Sinne des Wortes! Man muss daher sehr sorgfältig...
Ein Leguan ist eine zwei Meter lange Echse, gehört von der Systematik hier in die Teilordnung Leguanartige und nicht in die Familie Echte Eidechsen und ist auch kein Allesfresser, sondern Vegetarier.
Der Rest der Seite ist auch nicht besser. Sinnbefreite Texte, die nur als Umrahmung der zahlreichen Adsense- und Amazon-Werbung dienen.
Kleine Kostprobe:
Über die Geschlechtsreife von Eidechsen können keine genauen Angaben gemacht werden, da Eidechsen schon in der Zeit des ersten oder zweiten Winters geschlechtsreif sein können. Allerdings kann die Geschlechtsreife bei Eidechsen auch erst nach dem zweiten Winter auftreten.
Ja und, was jetzt? Wann ist die Eidechse nun erwachsen?
Solange solche Sites die SERPs verschlammen, hat Google noch einen weiten Weg zu gehen. Meine Hoffnung: Google wird sein Monopol auf Dauer nicht halten können. Immer mehr Leute werden über Empfehlungen von Facebook und anderen SM-Plattformen kommen. Das wird solchen Spam-Sites auf Dauer das Wasser abgraben.
Nachtrag
Auch die SEOs bekommen langsam mit, daß die Hütte brennt.
Laut seo.at soll Prof. Dr. Mario Fischer auf der gerade zu Ende gegangenen SMX 2010 gesagt haben "90% aller SEO’s sind Dumpfbacken".
Sistrix fragt: Kann sich die SEO-Branche selber regulieren? Interessant: Auch Sistrix verwendet im Blogpost den Begriff Snakeoil in Zusammenhang mit SEO-Dienstleistungen "...lässt sich am Telefon kein Snakeoil verkaufen...".
Randof Jorberg berichtet in seinem Blog über gefälschte SEO-Referenzen.
Beide Artikel wurden ordentlich kommentiert, haben also einen Nerv getroffen.
Alexander Langer sagt:
(8.3.2010 - 13:14 Uhr)
D’accord! Ich hatte letztens erst eine Präsentation zusammengestöpselt, die am Beispiel von Topic Pages (Themenseiten) zeigt, dass Content nunmal King ist und guten Content zu generieren und diesen für die eigenen Nutzer möglichst optimal aufzubereiten und darzureichen ist die Kunst. Denkt man an die User, ergibt sich die Suchmaschinenoptimierung ganz von selbst.
Ich kann, wie du so schön am Beispiel zeigst, irgenwelchen Schund mit entsprechendem Aufwand in den Rankings nach oben bringen, aber der dadurch generierte Strom an Besuchern ist nicht nachhaltig, wenn die User reihenweise kopfschüttelnd wieder abziehen und nie wieder kommen.
Letzten Endes versuchen Google & Co. nichts weiter als automatisiert nachzuvollziehen welche Seite für welche Keywords wie gute Inhalte liefert. Da ist man sicher noch lange nicht am Ende der Entwicklung angekommen, aber klar ist, wer nicht nachhaltig und nutzerorientiert denkt und handelt, wird früher oder später in den SERPs durchgereicht werden.
René Goldschadt sagt:
(8.3.2010 - 21:59 Uhr)
Ich kannte Deine Seite nicht, aber meine Suche in den Tiefen der Seiten brachte mich bei Dir vorbei. Ich kann nur Danke sagen, Du schreibst mir aus dem Herzen. Wenn nur einige unserer Kunden bereit wären, den Googlewahn etwas zu reduzieren, es wäre vielen geholfen. Diese “Google”-Gläubigkeit ist enorm.
Die Frage nach der Seite 1 sollte doch gegessen sein.
Wir sind eine PR- und Internetagentur aus Annaberg-Buchholz. Seit 13 Jahren helfen wir wo wir können, aber die Seite 1 bei G ist nie größer geworden.
Gern beraten wir unsere Kunden auch zum Thema Facebook. Da geht noch was und dort entwickelt sich einiges. Der Club-Gedanke da ist super und das kommunikative Niveau hoch. Dumme Anmachen habe ich noch nicht erlebt, aber Kunden gewonnen. Google kann nur begrenzt oder gar nicht rein schauen und damit ergibt sich für mich ein Internet-Wohlfühl-Gefühl.
Hoch lebe die Suchmaschinen-Optimierung. SEO aller Länder ...
Tina sagt:
(11.3.2010 - 21:57 Uhr)
Im aktuellen php Magazin sind die 17 “goldenen seo” Regeln aufgeführt
Wichtigster Punkt: Seite muss in XHTML, sein…. Aha. Nix Html4 - gleich umstellen.
Letzter Punkt: Die Seite ist nicht nur für Google sondern auch für Menschen
So einen Schwachsinn hab ich noch nie gelesen
Und was sagen Sie?