Mehr Casanova in den Shop – Händler seid mutig!
Die meisten Online-Händler denken immer noch, dass es ihr Job sein, Produkte zu verkaufen.
©livingos
Ein Shop ist ein Gesamtkunstwerk
Unfug! Ein Shop verkauft keine Produkte, sondern Träume, Wünsche, Hoffnungen.
Ein Brautkleid-Shop verkauft keine Brautkleider, ein Autotuner verhökert keine Auspuffe.
Sondern?
Der Brautladen verkauft den Neid der anwesenden Frauen auf die hinreißend gestylte Braut, und der Autotuner die empörten Blicke der Spießer wenn das Inferno an ihnen vorbeiröhrt.
Eben „alles für diesen Moment“.
Und selbst ein profaner Olivenöl-Laden verkauft kein Öl, sondern das Wolfram-Siebek-Gefühl ein großer Gourmet und intimer Kenner der Olivenöl-Szene zu sein. Und das muß natürlich beim nächsten Kochclub entsprechend platziert werden.
Die Folge: Kleine Produktbilder, dürre Beschreibungen und groß herausgestellte Preise. In manchen Shops sind die Widerrufsbelehrungen, Hinweise zum Versand und andere Disclaimer prominenter platziert als die Produkte. Hier fühle ich mich nicht willkommen und vor allem: Dieser ganze Kram wirkt defensiv und lenkt mich von den Produkten ab.
Dieser Einkauf steht unter dem Motto: „Geld gegen Ware – und dann nichts wie weg.“
Wann immer es um die Optimierung eines Online-Shops geht, wird über drei Bereiche gesprochen; gerne auch sehr detailliert.
- Technik: schnelle Ladezeiten, korrekte Darstellung in allen Browsern
- Nutzerfreundlichkeit: Optik, Navigation, Produktbeschreibungen
- Formales: AGB und Widerrufsbelehrung
Ein Shop wird nie als Kunstwerk, sondern – bestenfalls - als Beginn der Prozesskette betrachtet, die endet, wenn der Kunde seine Ware in der Hand hält.
Dabei ist ein Shop wie ein Japanischer Garten: Auf kleinstem Raum muss durch die Konzentration auf das Wesentliche eine harmonische Komposition entstehen, die den Besucher verführt, den Shop zu betreten.
Jeder Online-Händler sollte sich einmal im Quartal zwei Fragen stellen
- Was würde der Welt fehlen, wenn es meinen Shop nicht gäbe?
- Würde ich in meinen Shop einkaufen wollen?
Sich hier in die Tasche zu lügen hilft nichts, schonungslose Offenheit ist angesagt und dann muss verbessert werden. Ich bin mir sicher: Es wird nicht um die AGBs gehen, sondern um das emotionale Gesamtkonzept des Shops!
Wer wirklich kaufen will, der kauft, egal was in den AGB steht.
Wer dem Formalen mehr Aufmerksamkeit widmet, als dem Gefühl spielt defensiv. Die Verluste mögen begrenzt sein aber die Chancen sind es definitiv auch. Marken wie Apple oder Nike spielen nicht defensiv, sondern umgarnen den Nutzer und machen so Ihr Geschäft.
Soweit das Plädoyer für Shops mit mehr Casanova-Faktor. Hat ein Shop mein Herz erobert ist das Hirn machtlos und die Brieftasche willenlos.
Und was sagen Sie?