Meconomy reloaded

Antwort auf die Kommentare des ersten Artikels und ein Bonus-Link.

©Joachim S. MüllerMeconomy reloadedMeconomy reloaded - The eagle has landed

Selbstleser oder nur Linkbaiter?

Hallo, natürlich selbst gelesen. Ich bin Herr meiner Zeit und kein Qualiätsjournalist mit Deadline im Nacken. Ich habe mich - getreu dem Motto "schreiende Farben sind out, brüllende Farben sind in" für die "Pink Edition" entschieden.

Meconomy - für wen?

Johannes Kleske (Brand-Eins-Coverboy) sagt:

Markus weist mehrmals im Buch explizit drauf hin, dass die Meconomy nicht für jeden gedacht ist.

Stimmt, aber mir geht´s nicht darum, daß die Meconomy nicht für jeden gedacht ist, sondern darum, dßa es nicht wünschenswert ist, wenn zu viele Leute den Meconomy-Livestlye leben.
Wir brauchen das Fundament der klassischen Arbeiten, bei denen sich Leute zu gewissen Zeiten in bestimmten Räumlichkeiten zu einer hierarchisch organisierten Gruppe zusammenfinden. Das sind nicht bloß Jobs wie Regale auffüllen, kassieren oder Teiglinge in den Backofen schieben. Auch die ganzen F+E-Berufe und die gesamte Produktion funktionieren so.
F+E im naturwissenschaftlich/ingenieurwissenschaftlichen Bereich funktioniert nicht mit Laptop im Starbucks. Produktion sowieso nicht. Und das sind die Leute, die Deutschland reich machen.
Ohne die deutsche Forschung, Entwicklung und Produktion sässen die Griechen jetzt noch tiefer in der Tinte. Das, was der deutsche Meconomy-Bereich erwirtschaftet, reicht vielleicht für Portugal (hoffen wir´s).

Nicht, das mich einer falsch versteht: Ich bin gerne Meconomist, ich las die Brand Eins schon als sie noch Econy hieß. Aber ich halte es für Größenwahn zu sagen, "Am Meconomy-Wesen soll die Welt genesen". Diese Art zu arbeiten soll und muß einer kleiner Kaste privilegierter Solo-Künstler vorbehalten bleiben. Wenn jeder so leben wollte, könnte keiner mehr so leben, denn nur von Medien/Marketing/Kreation/IT kriegen wir die Rentenkassen nicht voll.

Ein Selbständiger ist für mich nicht nicht per se ein Vertreter der Meconomy. Mein Zahnarzt zum Beispiel: Kein Halbgott in Weiß, sondern ein moderner Gesundheitsdienstleister. Gibt mir das Gefühl ein geschätzter Kunde zu sein und macht meine Zähne schön. Trotzdem für mich kein Vertreter der Meconomy, sondern Old-School. Hat die Praxis am Hacken, Verantwortung für 4 Angestellte, eingebunden in einen klar getakteten Tag, die Verpflichtung jeden Tag anzutreten.

Der Bonus-Link

Wenn´s mal nicht so gut läuft: Wenig Aufträge, einsam im Homeoffice, Stress mit dem Kunden...
Hier habe ich was zur Aufmunterung:

Lest Heiko Mells Karriereberatung. Extrem sachkundig, extrem ehrlich, extrem brutal. Die Karriereberatung erscheint zwar in den VDI Nachrichten, gilt aber nicht nur für Ingenieure, sonder für alle klassischen Angestellten.

Einer meiner Favoriten: Besorgter Vater bittet um Hilfe für seinen Sohn, der sich durch´s Leben quält. Unglücklich im System traut er sich den Absprung nicht zu und wird von seiner systemkonformen Umgebung auch nicht darin bestärkt seinen eigenen Weg zu gehen. Statt dessen steht der Wunsch nach Sicherheit und lebenslaufverwertbaren Zeiten im Vordergrund.

Der Ratschlag des Experten: Maul halten, Arsch zusammenkneifen und durch.

Da tropft das Dilemma aus jeder Zeile und man nöchte dem jungen Mann zurufen Mach´s wie die Bremer Stadtmusikanten. Etwas besseres als den Tod findet Du überall".

Wenn man so etwas liest, kommen einem die eigenen Probleme plötzlich nichtig und klein vor.

1 Kommentare

Julian sagt:
(7.5.2010 - 11:49 Uhr)

Kann dir nur bepflichten. Die Geschichte aus der VDI-Karriereberatung klingt furchtbar, ist aber wahrscheinlich eher die Regel als ein Einzelfall. Ich glaube das Hauptproblem dabei ist tatsächlich das konformistische Umfeld des bemitleidenswerten Jungingenieurs, das ihn seine klassische Karriere als alternativlos erscheinen lässt. Aber gerade für solche Menschen sind doch Bücher wie “Meconomy” eine Art Erleuchtung, allerdings nur, wenn man eine Chance sieht, selbst zum Meconomist zu werden. Ansonsten verschlimmern sie wohl eher die ohnehin schon als unerträglich empfundene Lage.   


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