Linknetzwerke monetarisieren – einige Ideen

Es ist gar nicht so einfach, einen gut funktionierenden Link-Cluster an den Start zu bringen. Wie kann man jetzt Geld damit verdienen?

©Joachim S. MüllerLinknetzwerke müssen unerkannt bleibenLinknetzwerke gedeihen am Besten im Schatten

Die Voraussetzungen

Damit das Linknetzwerk seinen Zweck erfüllt, müssen nur zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Die einzelnen Sites müssen eine gewisse Power haben,
  2. Google darf davon nichts mitbekommen - Link-Cluster sind Schattengewächse, im hellen Licht der Transparenz gedeihen sie nicht.

Die Praxis

In der Praxis lassen sich diese harmlos klingenden Voraussetzungen nur mit viel Know-How und dem einem oder anderen Klimmzug umsetzen.

Zu Punkt 1:
Wenn eine Site Linkpower vererben kann, dann hält Google sie für relevant bezüglich eines bestimmten Themas.
In diesem Satz stecken drei operative Bomben

  1. "Bestimmtes Thema": Die Web-Site soll ja nicht für Orchideenbegriffe mit 2 Mitbewerbern gut ranken, sondern sich im Haifischbecken Finanzprodukte, Versicherungsvergleich, Dating und Telekommunikation durchsetzen.
  2. Relevanz bekommt man nicht geschenkt, die muss man sich erarbeiten. Eine gut rankende Wen-Site fällt nicht vom Himmel, sondern muss kontinuierlich gepflegt werden.
  3. Wer gut rankt, wird geklickt, auch von der Konkurrenz. Das bedeutet, die Web-Site muss rechtlich einwandfrei sein, sonst Abmahnung.

Schon das Heranzüchten einer Linkfarm ist nicht trivial, aber das Verbergen dieses Link-Clusters vor Google ist noch anspruchsvoller. Da kommt man sich vor wie ein Marihuana-Pflanzer mit Wohnzimmer-Plantage: Kräftiges Wachstum, aber bitte diskret.
Vor allem, da manche Kriterien, die für den Erfolg unter 1) nötig sind mit 2) kollidieren.

Ein Beispiel: Das Impressum

Das Impressum wird aus rechtlichen Gründen benötigt. Aber die Web-Site darf kein Impressum haben, denn ein Impressum ist für Google das Einfallstor zur Identifikation. Und schon haben wir unseren Interessenkonflikt.

Selbst ein Impressum wasserdicht zu machen ist nicht so einfach

Klar, man kann das Impressum als Grafik ausführen oder über Strohmänner gehen.
Aber ein Impressum als Grafik auszuführen verstößt gegen§6, TDG. Wie ärgerlich! Interessant zu sehen, welche Klimmzüge die Szene der Internet-Marketiers sich so einfallen läßt, um Google zu entwischen und sich trotzdem halbwegs legal zu verhalten.

Aber Google hat noch ein paar Pfeile im Köcher: Google kann die Whois-Daten auslesen. Die sind Vertragsbestandteil und müssen stimmen, so sehen es die AGB der Registrare vor (Absatz VIII der Denic-Richtlinien). Also entweder falsche Angaben machen und den Verlust der Domain riskieren oder Strohmänner vorschicken. In der Praxis wird um die Whois-Daten nicht so ein Geschrei gemacht, viele sind falsch oder unvollständig. Da gibt´s genug Schlupflöcher.
Heute noch, aber wer weiß, was in 5 Jahren ist. Es gibt genug arbeitslose Rechtsanwälte, die sich dringend profilieren müssen und auch die Datenschutzbehörden brauchen immer neue Aufgaben, um sich zu legitimieren. Irgendwann wird sich sicher jemand auf das Thema stürzen.

Das war jetzt nur das Mini-Thema "Impressum", die ganzen großen Brocken wie Hosting, Content-Erstellung und -Pflege sind hier noch ausgeklammert.
Letztendlich geht es darum, alle Daten, die Google für einen Abgleich automatisiert nutzen könnte, durch leichte Abwandlungen unterschiedlich zu gestalten. Dazu gehört die Nutzung verschiedener Schreibweisen für die Anmeldung einer Domain ebenso wie der Einsatz verschiedener Provider und Domain-Registrare. Und natürlich sollte man es vermeiden, die Zusammengehörigkeit verschiedener Web-Sites Google direkt zu melden – etwa über Google Sitemaps.

Wo kommt jetzt das Geld her?

Jetzt hat man also mit viel Aufwand sein Linknetzwerk konstruiert und aufgebaut, wie wird es monetarisiert?
2 Jahre und 50.000€ wird man da schon einsetzen müssen, um einen Link Cluster von 1.000 - 2.000 Web-Sites aufzubauen.

Direkte Monetarisierung

Entweder durch Werbung (Adsense ist natürlich tabu) oder durch Vermietung. Vermietung halte ich für das bessere Konzept. Genauso, wie sich Spammer Bot-Netzwerke mieten, um ihre Mails zu verteilen, können sich SEO-Agenturen Link-Cluster mieten um ihren Kunden Rankingvorteile zu verschaffen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass Linknetzwerker ihre Link-Cluster an großen SEO-Agenturen vermieten. Irgendwie müssen die Großen der Branche ja auch planbar und skalierbar an ihre Links kommen. So ein "schau´n wir mal, welchem Webmaster wir heute einen Link aus dem Kreuz leiern können" geht nicht bei großen Kunden. Da müssen heute 10 Links mit dem Anchortext X in den Class-C-Netzwerken der SEO-Subunternehmer A, B und C gesetzt werden. Morgen sind es 9 Links in 2 anderen Netzwerken. Das wird auch nicht händisch gemacht, sondern da gibt´s einmal eine dicke Excel-Tabelle. Die wird an alle Projektteilnehmer rumgeschickt und dann geht alles Weitere automatisch.

Diese Passage eines SEO-Vertrags stützt meine Theorie.

Indirekte Monetarisierung

Man pusht weitere eigene Hauptprojekte, die dann durch Werbung- oder Affiliate-Programme größere Summen generieren.

Vermietung bringt´s

Mir scheint das Geschäftsmodell Vermietung am sinnvollsten zu sein. Tausende von Sites so zu betreuen, das sie aktuell sind und in Googles Gunst stehen ist ein Haufen Arbeit. Ein schönes Layout muss sein, aber auf Werbung würde ich komplett verzichten, dass verleiht der Präsenz dann noch dieses naive Flair.
Hier ist eben noch ein echter Hobby-Webmaster aus Liebe zum Inhalt unterwegs. Wie putzig.

Die vermieteten Links gehen – unsichtbar für jede Suchmaschine - via php-Include direkt in den Content.
Pragmatischer Vorteil: Auch mit dem Impressum kann man es laxer angehen lassen und die Attraktivität für Abmahner sinkt.

Was kostet der Link?

Endkunden zahlen je nach Paket pro Link und Monat zwischen 6,53 € und 8,76 € (incl.MwSt). Sagen wir, daß die Links zum Großhandelspreis von 3,50 € eingekauft werden, das sind rund 50% Rabatt und das pro Site 20 Links eingebaut werden können.

140.000 € Monatsumsatz im Link-Cluster

Jede Site des Link-Clusters wirft dann monatlich 70 € ab, ein Linknetzwerk von 2.000 Sites bringt monatlich 140.000 €. 40.000 € gehen für Hosting, Traffic, Programmierung, neuen Content und andere Kosten raus. Bleiben 100.000 € monatlicher Gewinn übrig.
Paßt. Link-Cluster sind ein Hochrisiko-Business (wenn ein SEO-Kumpel einen bei Google verpfeift, ist die Sache durch). Je riskanter, desto lukrativer. Diese Lebensweisheit gilt nicht nur für Söldner und Börsenspekulanten.

Linknetzwerk quo vadis?

Der Wermutstropfen zum Schluß: Wer heute mit dem Aufbau seines Link-Haufens anfängt, kommt zu spät und wird vom Leben bestraft.
Linknetzwerke lassen sich nicht von heute auf morgen aufbauen, heute schon kommt mehr Traffic aus den Social Networks, als von Google.

Im Social-Media-Bereich versagen diese SEO-Taktiken. Da bleibt nur noch das Brand, das Vertrauen, die Empfehlung übrig.
Ein Linknetzwerk zahlt einfach nichts auf die eigene Marke ein. Man verschwendet einfach jede Menge Zeit, um neue Besucher zu aquirieren.
Das einzige Besuchersegment, dass in der Web-Analyse wirklich zählt, ist doch das Tortenstück mit dem Label "Direct/Bookmark".
Die will ich haben, das sind die Überzeugen, die Leute, die mich absichtlich und vorsätzlich besuchen. Leider ist Mundpropaganda nicht messbar, aber ich glaube, dass überzeugte Bookmarker, die mich weiter empfehlen wichtiger für meinen Erfolg sind, als das beste Linknetzwerk. Und vor allem: Dieses Vertrauen in mich kann mir keiner nehmen!
Zum Thema Vertrauen hier einige schöne Kommentare.
Und als Kontrastprogramm: So macht man das mit Social Media!
Zum Schluß noch eine SEO-Meinung zum Thema "Verkaufte Rankings".

Google reagiert allergisch auf alle Versuche, organische Rankings direkt zu verkaufen. Zum Beispiel gab es vor einigen Monaten mal einen Anbieter der optimierte Landingpages auf Trust-starken Domains an den Werbetreibenden bringen wollte – Google hat alle Referenzintegrationen sehr schnell aus dem Ranking genommen und dem Thema so den Wind aus den Segeln genommen, bevor es von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Verständlich, war es doch ein direkter Angriffs auf Googles Cashcow AdWords.

3 Kommentare

Christian sagt:
(27.4.2010 - 11:09 Uhr)

Und die Seiten im Linknetzwerk bestehen dann aus ner Startseite und max. 4 Unterseiten, haben vllt. 2-4 SB Links, damit die in den Index kommen und das wars dann? Was bringt dann so ein Link dem Käufer/Mieter? Werden da nicht wieder ahnungslose Kunden abgezockt, die man jeden Monat reporten kann: “Sie haben nun wieder 50 neue Links mit den relevanten Keywords.”?!? Den Wert verstehen Sie die ja nicht…


Jan sagt:
(16.6.2010 - 10:39 Uhr)

Wieso ist der Link per php-include unsichtbar für jede Suchmaschine? Macht doch keinen SInn oder?


Albert Warnecke sagt:
(16.6.2010 - 14:06 Uhr)

@Christian: So ist es.

@Jan: Unklar ausgedrückt, der Link ist natürlich sichtbar, nur die Tatsache, daß der Link automatisiert eingebaut wird ist unsichtbar.
Das bedeutet, die Suchmaschine hat keine Chance zu erkennen, daß diese Links gekauft sind.


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