Kuratorium schönes Internet
Mensch gegen Maschine - die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.
©Caucas
Ein Content Kurator muß mutig sein.
Was ist ein Content Curator?
Ein Content Curator ist jemand,
der kontinuierlich die wichtigsten Inhalte zu einem bestimmten Thema findet, bewertet, organisiert und publiziert.
Achtung: Verwechseln Sie die Arbeit eines Kurators nicht mit der eines Aggregators. Aggregatoren machen große Content-Haufen, Kuratoren finden die Stecknadeln in diesen Haufen.
Wozu Content Curation?
Die reine algorithmisch getriebene Suche pfeift auf dem letzten Loch. Ich stelle immer wieder fest, daß die wirklich interessanten Suchergebnisse oft erst auf Seite 3 beginnen. Seite 1 und 2 sind mit SEO- und Affiliate-Spam zugemüllt. Die ambitionierte Amateur-Seite mit ehrlichen Inhalten hat da keine Chance.
Der Content Curator ist der Gärtner im wild wuchernden Web, der Weide und Thuja gnadenlos zurückschneidet, damit auch das zarte Buschwindröschen eine Chance hat.
In diesem Zusammenhang muß ich leider zugeben, damals, am Ende des 20 Jahrhunderts, eine historische Chance verpaßt zu haben.
Was wir damals bei Yahoo! falsch gemacht haben
Beim Start von Yahoo! Deutschland am 10.10.1996 hatten wir gut 10.000 Einträge im Katalog, zur Cebit 1997 waren es 30.000 Einträge.
Unser Fehler: Wir haben in diesem Tempo weitergemacht und die 40.000er-, 50.000er-, 60.000er-Marke in Angriff genommen. Das Web explodierte und wir wollten Schritt halten. Außerdem wollten wir die vielen Webmaster nicht enttäuschen, die Wartezeiten waren ja so schon lang genug. So haben wir uns nach Kräften bemüht die Listen abzuarbeiten. Aber für jede katalogisierte Site die wir aus der Warteschlange holten kamen erst 2 neue, dann 5 neue und irgendwann 10 neue in die Warteschlange. Spätestens jetzt wäre es Zeit für einen Strategiewechsel gewesen.
Kuration wäre die Lösung gewesen. Wir hätten den Katalog bei 30.000 Einträgen schließen sollen und dann die Strategie "Das Bessere ist der Feind des Guten" anwenden sollen.
Wann immer eine neue Web-Site besser gewesen wäre, hätten wir sie in den Katalog aufgenommen und dafür die schlechteste Site der betreffenden Kategorie aus dem Katalog geschmissen. Den Rest der Neuanmeldungen hätten wir verworfen.
Die Vorteile
- Mit einem vertretbaren Personalaufwand machbar.
- Der Katalog bleibt kompakt und benutzerfreudlich.
- Die Qualität verbessert sich automatisch über die Zeit.
- Kontinuierlich gepflegte Top-Qualität plus die Markenbekanntheit ergeben einen sehr hohen Trust
Fazit
Gegen so einen Katalog hätte Google im Shorthead keine Chance gehabt. Im Gegenteil, Google hätte auf sämtliche Suchanfragen für umkämpften Begriffe wie "Finanzen, Versicherung, DSL" einen Katalog als Top-Ergebnis bringen müssen.
Die Money-Keys wären an Yahoo! gegangen und Google hätte den Longtail und die Nischen beackert. Schlecht für die ganzen SERP-Spammer, gut für die Nutzer.
Menschen = Katalog für den Shorthead und Maschinen = Suchmaschinen für den Longtail, das ist das Rezept für die Zukunft. Ich bin der Überzeugung, daß man mit 10.000 Einträgen 80% des relevanten deutschsprachigen Internets abdecken kann. Wer mehr Internet braucht, kann ja googlen.
Die handverlesenen Einträge geben mir Sicherheit. Ich spare mir das nagende Gefühl "Habe ich was übersehen, hätte ich zu diesem Thema irgendwo anders kompetentere Infos erhalten?"
Wenn´s im Katalog ist, dann ist es State-of-the-art. Und ich spare mir natürlich die ganze Sucherei, das ganze Hin und Her. Oft genug stammen nämlich die wirklich guten Angebote von Hobbyisten und die konzentrieren sich auf das Wichtige und nicht auf SEO-Mätzchen mit der Folge, daß ich schon oft qualitativ extrem hochwertige Sites auf der dritten SERP gefunden habe. Seite eins und zwei waren voller SEO- und Affiliate-Müll.
Aber keine Sorge. Dieser Katalog wird nie Wirklichkeit werden, denn er läßt sich nicht refinanzieren. Lieber suchen die Leute stundenlang selbst, bevor sie einen Euro in die Kachingle- oder Flattr-Büchse werfen. Bestes Beispiel für diese Mentalität: nach wie vor hat die Finanzberatung auf Honorarbasis nur 1% Marktanteil. Statt 300 € für eine Beratung zu zahlen, rennen die Leute zur Bank und lassen sich dort etwas verkaufen, was vor allem der Bank nützt, aber Hauptsache umsonst.
Linksammlung
Für alle, die sich noch ein wenig einlesen möchten:
- The Seven Needs of Real-Time Curators von Robert Scoble
- Create or Curate?, auch vom Scobelizer
- Der Content Curation Marketing Blog mit interessanten Texten und Links
- The Role Of Curation In Journalism auf TechDirt
- Digital Curation Blog
- How To Use Curation To Make Your Blog Better: Lessons From Postsecret
- The Content Strategist as Digital Curator von A List Apart
- Curation Station - Curation is the new role of media professionals
- Robin Good geht der Frage nach "Why Is The Content Curator The Key Emerging Online Editorial Role Of The Future?"
- PR 20/20 - extrem längich und linkreich.
- Business Insider - Can 'Curation' Save Media?
- Manifesto For The Content Curator: The Next Big Social Media Job Of The Future ?
- Who are your curators?
Und was sagen Sie?