Journalisten und Technik, ein Trauerspiel
Man kann mit Schreiben Geld verdienen. Manchmal. Offline kann man sich über die VG Wort etwas hinzu verdienen. Online nur, wenn man Masochist ist.
©Joachim S. Müller
Ich werd´ zur Wildsau - Texte online
bei der VG Wort melden
Die VG Wort
Texter und Journalisten überspringen das jetzt bitte, für den Rest der Leserschaft - das ist der Job der VG Wort:
Aufgabe der VG WORT und der anderen Gesellschaften ist es, mit Hilfe des Urheberrechts für etwas mehr Gerechtigkeit zu sorgen und dem geistigen Eigentümer zu seinem Recht oder zumindest zu einem finanziellen Ausgleich zu verhelfen.
Die Verwertungsgesellschaften sammeln das Geld von den Zweitverwertern ein und schäütten es dann reichweitenabhängig an die Autoren aus.
Offline klappt das auch ganz gut. Ich habe früher als Redakteur immer brav meine Meldezettelchen ausgefüllt und dann gab´s irgendwann eine Überweisung.
Online dagegen: Die reinste Anarchie!
Track me, if you can
Via MediaDigital bin ich hier gelandet. Elke Fleing beschreibt, wie sie in dreißigstüdigem Häuserkampf das VG Wort-Trackingsystem niedergerungen hat. Ja, dreißig, wie in 30!
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Ein neunseitiges PDF voller "Sie müssen erst den Nippel durch die Lasche ziehen"-Anweisungen.
Liebe Leser und Leserinnen aus den Bereichen Ad-Serving, Affiliate oder SEM: Heute schon über irgendwelche Tracking-Pixel, Zähldifferenzen oder mißratene Redirects geflucht? Schaut Euch das PDF an und ihr werdet Euch dankbar und glücklich euren vermeintlichen Problemen zuwenden.
Wer nicht klicken will, hier die Highlights: Jeder Text bekommt sein eigenes Tag (im VG Wort-Jargon Zählmarke genannt). Jede Zählmarke tackert man dann händisch in seinen Text rein. Die Zählmarken bestellt man bei der VG Wort, geliefert wird als PDF (Zählmarke = TAN-Liste oder was?).
RSS-Feeds tracken geht natürlich nicht.
Stand der Technik
Stand der Technik ist: Man packt einmal einen Javascript-Tag wie diesen hier in den Footer seines Blogs und das war´s.
<script src="http://static.getclicky.com/js" type="text/javascript"></script>
<script type="text/javascript">clicky.init(17149);</script>
<noscript><p><img alt="Clicky" width="1" height="1"
src="http://static.getclicky.com/17149ns.gif" /></p></noscript></pre>
So läuft´s bei der Web-Analyse und die VG Wort macht ja prinzipiell nichts anderes. Es ist dann Sache des Javascripts herauszufinden: Wo bin ich, wer bin ich und muß ich diesen Seitenaufruf jetzt zählen?
So, wie es jetzt ist, wedelt der Schwanz mit dem Hund. Die VG Wort dient den Autoren, nicht umgekehrt. Das aktuelle Tracking-System
- bürdet den Autoren die ganze Implementierungsarbeit auf. Die Autoren zahlen mit Ihrer Arbeitszeit für die schlampige Produktentwicklung.
- beschneidet die Autoren in ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten. Der legitime Wunsch seinen Lesern freizustellen, ob sie die Texte auf der Web-Site oder als Feed lesen möchten, kann nur unter Einkommenseinbußen realisiert werden.
Und nun?
Nur damit das klar ist: Frau Fleing hat da einen Super-Job gemacht und es ist sehr ehrenwert, daß sie fast eine ganze Arbeitswoche in den Dienst der Gemeinschaft gestellt hat. Das erkenne ich vorbehaltlos an.
Meine Kritik richtet sich gegen zwei Dinge:
Wieso nimmt jeder der Kommentatoren das VG-Wort-System als gegeben hin? Allenthalben nur Dankbarkeit und die vorsichtig geäußerte Vermutung, das System sei nicht ganz zeitgemäß. Ja hallo, das System ist so zeitgemäß, wie ein Plumsklo auf´m Hof und einmal die Woche baden im Zuber! Das bestätigt meine ganzen Vorurteile "Journalisten als technische Nullchecker. Mit denen kann man es ja machen." Mal ein bißchen recherchieren und dann auf die Barrikaden!
Bürokratie rockt! Und wieder zerren die Verwaltungsleute die am Nasenring hinter sich her, denen sie eigentlich dienen sollen.
In den solchen Insitutionen arbeitet - diplomatisch ausgedrückt - nicht die IT-Elite. Das Innovationstempo ist nicht silliconvalleysk, denn es entscheiden dort alte Männer, die sich von politischen und nicht von sachlichen Gründen leiten lassen.
Dennoch würde ich sagen: Liebe VG Wort, es ist Zeit das Domizil in der Goethestraße zu verlassen und in die Tim-Berners-Lee-Straße umzuziehen.
Ralf Gründer sagt:
(7.5.2010 - 20:51 Uhr)
Funktioniert das Javasript nur in Blogs oder auch in Webseiten; dann wieder auf jeder einzelnen Seite zu implementieren? Das wird leider nicht ganz klar, ist für mich aber ziemlich wichtig, da ich meine Texte auf meiner Website veröffentliche.
Albert Warnecke sagt:
(10.5.2010 - 9:15 Uhr)
Technisch gesehen sind Blogs auch nichts weiter als Web-Seiten. D.h. die Anleitung von Frau Fleing gilt für alle Web-Sites, egal wie sie benannt werden.
Einfach das Zählpixel auf jeder Artikelseite einfügen.
Ralf Gründer sagt:
(10.5.2010 - 11:37 Uhr)
Vielen Dank für die Info! Da ich mich noch nie damit beschäftigt habe, stehe ich jetzt nach wie vor hilflos in der Wüste rum! Das Einfügen ist nicht das Problem, aber wo sehe ich das Resultat??? Wie werte ich das Script aus? ... und: Wo finde ich die Anleitung von Frau Fleing?
Vielen Dank im Voraus; mit den weiteren Infos sollte ich es dann hoffentlich auch hinbekommen!
Albert Warnecke sagt:
(11.5.2010 - 8:32 Uhr)
Ich habe oben im Text auf den Artikel von Frau Fleing verlinkt. Hier noch einmal der Link
http://berufung-selbststaendig.de/2010/04/11/ausfuhrliche-anleitung-wie-ih
Das PDF laden Sie auf dieser Seite, indem sie auf den grünen Text klicken.
Ich denke, wenn Sie dieses Dokument gelesen haben, wird Ihnen vieles klarer sein.
Vera sagt:
(9.6.2010 - 4:43 Uhr)
Du hast die Anmeldung per Post vergessen; signierte eMail war damals™ noch nicht erfunden ...
Auch von mir vielen dicken Dank an Elke Fleing. Allen, die das aus den diversen Anleitungen bei der VG Wort ‘rausgefischt haben - weil sie die Anleitung nicht hatten - meinen ehrlichen Respekt.
Und was sagen Sie?