Heult nicht
Mit den Qualitätsmedien geht´s zu Ende, und auch sonst ist der Zustand unserer Welt doch eher bedauerlich.
©joffmc
Nicht traurig sein, die Zukunft ist wild!
So ist das nun mal im Leben. Ein stetes Werden und Vergehen.
99% aller Tiere, die jemals lebten sind ausgestorben, die Generation der Großeltern muss sterben, damit Platz ist für die Enkel. Und auch in der Wirtschaft wird fleißig gestorben: Ein Großunternehmen erreicht im Durchschnitt ein Alter von 75 Jahren.
Einen sehr radikalen Schlachtruf stimmt Marc Andreessen an: Er sagt: Verleger, macht´s wie Cortez: Verbrennt Eure Boote - schafft das Printbusiness ein für alle mal ab und konzentriert Euch nur noch auf Digital.
Für alle Printmacher hier ein aufmunterndes Video:
The big picture
Die Erde ist 4 Milliarden Jahre alt,
die Dinos herrschten 185 Millionen Jahre,
die Hominiden gibt es seit rund 7 Millionen Jahren,
die ersten echten Menschen wandeln seit 2,4 Millionen Jahren auf dieser Erde,
die Geschichte der mesopotamischen Hochkultur begann vor 6.000 Jahren,
Jesus lebte vor 2000 Jahren,
der älteste Mensch wurde 122 Jahre alt und
Qualitätsmedien gibt es seit knapp 65 Jahren (Axel S. hat seinen Verlag 1946 gegründet)
Ewig leben?
Die Videoantwort:
Was sagt der Biologe?
Keine ökologische Nische bleibt lange unbesetzt. Wir leben in disruptiven Zeiten, vergleichbar mit dem Übergang von der Kreidezeit zum Tertiär. Alles Schutt und Asche, die Dinos im Meteorhagel verendet. Das Ende der Welt? Aus unserer Sicht: Sicher nicht!
Nur, wäre einer von uns damals unter der staubverhangenen Sonne gestanden – keinen Pfifferling hätten wir auf Mutter Erde gesetzt. Keiner hätte sich zu diesem Zeitpunkt die bizarren Ausbildungen der tertiären Säugetiere erahnen können.
Aber der Staub lichtete sich und siehe da, die Nische der Giganto-Pflanzenfresser war unbesetzt. Der gute Brontosaurus war mausetot, aber die Evolution gab uns das Brontotherium.
Beide big und bronto und die ökologische Nische war wieder besetzt.
So wird es auch mit den Publikationen geschehen. Wir wissen jetzt nicht was kommt, sondern können nur die Evolution mitgestalten. Jeder der in diesem Chor seine Stimme erhebt gehört zum Öko-System und beeinflußt - mal mehr, mal weniger - den Verlauf der Medienevolution.
Beeinflussen können wir, aber nicht determinieren. Dazu ist keiner von uns mächtig genug.
Eine Sache habe ich stillschweigend vorausgesetzt: Die ökologische Nische Journalismus bleibt auch im Zeitenwandel erhalten. Wenn da wo früher Regenwald war, jetzt Gletscher in der Sonne glänzen ist es natürlich aus mit der Nische.
Vielleicht wollen die Menschen gar keine Journalisten mehr, sondern nur noch Geschichtenerzähler und Entertainer?
Aber selbst Walther von der Vogelweide frönte nicht nur dem Minnesang, sondern war auch als politischer Dichter unterwegs, der zünftig gegen die Päpste polemisierte. Von daher bin ich ganz optimistisch, dass kritische Informationsbeschaffung und Verarbeitung auch in Zukunft interessierte Abnehmer findet. Seinen das nun Leser, Hörer, Seher oder per USB-Anschluß, so wie in Avatar.
Und was sagen Sie?