Einmal schreiben, auf Dauer verdienen?
Texte gegen Bezahlung - Geld verdienen durch Schreiben. Angeblich eine schöne Möglichkeit, sich in Heimarbeit den einen oder anderen Euro dazu zu verdienen. Für diesem Artikel habe ich Word in der Garage gelassen und statt dessen Excel angeworfen. Hier meine Kalkulation:
©emsago
Schreibend in den Goldfischteich?
Suite101 präsentiert sich als Möglichkeit mit Texten Geld zu verdienen. Keine Reichtümer, aber mehr als "lousy pennies". Hier zum Video-Interviews, das Ulrike Langer mit Peter Berger und Dirk Westphal geführt hat.
Das Geschäftsmodell: Suite101 nutzt Googles Adsense, um die Seiten zu montarisieren. Ein Teilg der Adsense-Einnahmen wird an die Autoren ausgeschüttet.
Ich habe das mal durchkalkuliert:
Klicks im Content-Netzwerk sind nichts wert. Wer auf den SERPs 1 € pro Klick bietet, wird im Content-Netzwerk maximal 10 ct - 20 ct zahlen. Das Klickbetrug-Risiko ist höher und außerdem sind die Nutzer im Content-Netzwerk vom Kaufzyklus her noch in der Recherche-Phase und nicht auf der Zielgerade. Die Chance auf Umsatz ist also eher gering.
Die Nahrungskette ist lang. Der Anzeigenkunde zahlt seine 20 ct pro Klick, davon erhält Suite101 einen Anteil (Google schüttet gut 70% an die Adsense-Publisher aus) und schüttet davon wiederum einen Teil an den Autor aus. Ich habe dazu keine Informationen auf Site gefunden. Meine Schätzung: Suite101 behält 30% ein und schüttet 70% an den Autor aus.
Stammleser sind schlechte Klicker. Jeder Forenbetreiber kann ein Lied davon singen: Die treuesten Nutzer sind die schlechtesten Klicker. Klick-Traffic ist durchlaufender Traffic. Da Suite101 die Seiten massiv per SEO in Google nach oben bringen will, dann dürfte dieser Punkt nicht relevant sein.
Lukrative Nischen sind bereits besetzt. Halbwegs vernünftige Klickpreise bei akzeptablen Reichweiten werden bei den üblichen Verdächtigten wie Finanzen, Telekommunikation und Reisen erzielt. Sites wie wer-weiss-was und gutefrage.net haben hier schon eine starkte Position in den SERPs.
Die Kalkulation
Die Annahmen
- Ich möchte 100 im Monat verdienen. (Nicht die Welt)
- Pro Klick erhalte ich 10 ct. (Der Advertiser zahlt dann teure 20 ct an Google)
- Die Klickrate auf meinen Seiten beträgt 1%. (Optimistisch, Banner haben eine Klickrate von 0,1%)
- Durchschnittliche Seitenaufrufe pro Besucher: 2 (Typisch für durchrauschenden Google-Traffic sind Werte von 1,1 - 1,5)
Die Ergbnisse
50.000 Besucher bringen 100 € Umsatz pro Monat
- Benötigte Klicks: 1.000
- Benötigte Seitenaufrufe: 100.000
- Benötigte Besucher: 50.000
Um 100 einzunehmen, muß ich also 50.000 Besucher auf meine Artikel locken, d. h. 50.000mal pro Monat muß ich bei einer Google-Suche als Sieger vom Platz gehen. Sportlich, sportlich!
Damit Suite101 wirklich Wucht und Reichweite entwickelt, muß natürlich mehr als nur ein Autor her. Aktuell veröffentliche Suite101 folgende Zahlen: 1,5 Millionen Unique Visitors im Monat, mehr als 500 aktive Autoren und mehr als 25.000 Artikel sind online.
Bei 500 Autoren, die alle 100 verdienen möchten, braucht Suite101 eine Reichweite von 500 x 50.000 Besuchen, also 25 Millionen Visits pro Monat.
Die aktuell 1,5 Millionen Besucher werden es nicht auf 25 Millionen Visits bringen. Wenn jeder der 1,5 Millionen Nutzer zweimal pro Monat bei Suite101 vorbeischaut schlagen 3 Millionen Visits zu Buche. Das sind 12% der benötigen 25 Millionen.
Zum Vergleich: Die 5 größten deutschen Sites haben im Januar 2010 diese Visits auf sich vereinigt:
| Site | Visits in Millionen |
|---|---|
| T-Online Contentangebot | 478 |
| MSN | 282 |
| Yahoo | 200 |
| Wer kennt wen | 186 |
| StudiVZ | 176 |
Mit 25 Millionen monatlicher Visits wäre Suite101 unter den Top 30 der deutschen Internet-Charts und reichweitenstärker als "Die Welt", FAZ.NET oder n-tv.de.
Quintessenz
Für Hobbyisten, die ihre 5 € fürs Shared-Hosting herausbekommen möchten geeignet. Als Profi würde ich die Hände davon lassen. Eine weitere Mini-Einnahmequelle für die trotzdem der gleiche steuerliche und verwaltungstechnische Aufwand anfällt, wie für eine luktrative Einnahmequelle. Ich finde, hier droht eine Zersplitterung der Kräfte. Wenn es darum geht Kompetenz zu zeigen, warum dann nicht ein eigenes Blog aufmachen oder auf den ensprechenden - bereits etablierten - Experten-Plattformen wie Online Marketing Experts oder Competence Site mitmachen?
Nachtrag
Gerade gefunden: Auch der DJV hat sich bereits 2008 des Themas Suite101 angenommen: suite101 - zwischen Umsatzpauschale und Klickbetrug und Update zu suite101
Und was sagen Sie?