Affiliate und reich
Jede Homepage ist eine potentielle Werbefläche, die nicht ungenutzt bleiben sollte. Unternehmen sind bereit, diese Werbefläche zu nutzen und belohnen dies belohnen dies mit Vermittlungsprovisionen.
©thundafunda
Unter die Affiliates gefallen
Yo, Mann! So schreiben sie, die Apologeten des schnellen Geldes. Machen wir den Reality-Check mit Excel.
Punkt 1: Wie viele Affiliates gibt es? 163.000, wie die iBusiness-Studie vom März 2010 zeigt. Hier wurde das erste Mal versucht, nachvollziehbare Zahlen für den fragmentierten deutschen Markt für Electronic Commerce zusammenzubekommen.
Wenn es aber bereits 163.000 Affiliates gibt, dann hat man auf Sie bestimmt nicht gewartet.
Punkt 2: Die Provision. Beim Affiliate-Marketing sind die meisten Merchants Online-Shops. Beim Online-Shop gibt es zwischen 3 % und 10% an Provision. Rein elektronisch vertriebene Güter wie Ebooks oder Software bringen bis zu 50% ein. Wer will kann auch in den Nacktbild-Bereich einsteigen, dort beträgt die Provision bis zu 70%.
Richtig viel Provision gibt es auf den umkämpften Märkten: Telekommunikation, Kredite und Versicherungen. Aber in allen drei Märkten haben Newcomer keine Chancen. Hier sitzen die Profis mit ihren seit Jahren etablierten Domains fest im Sattel.
Neben dem CPO-Business gibt´s auch die Möglichkeit Leads zu generieren. Für jeden Interessenten werden zwischen 0,1 € und 2 € gezahlt.
Auch hier gilt: die 2 € gibt´s für die Profis, die es fertig bringen in harten Märkten verlässlich neue Kunden zu bringen. Das schafft kein Anfänger. Für Anfänger realistisch sind eher die 0,1 € - 0,5€ Leads. Das ist dann der Gewinnspiel-Kram. Was die Firmen halt so machen, um an frische Adressen zu kommen. Affiliate-Marketing ist eine Möglichkeit preiswert an neue Adressen zu kommen, die dann veredelt werden. Veredelt bedeutet, Segmentierung und dann Verkauf oder Vermietung an andere Interessenten, bzw. Bemailung mit eigenen Produkten.
Die Zahlen bitte
Rechnen wir das ganze mal für einen Online-Shop durch.
Da die eigenen Seiten wirklich gut sind. Optisch ansprechend, thematisch kompetent und in Google mit den passenden Worten gerankt sind die Besucher zum einen bereits vorqualifiziert und zum anderen positiv gestimmt. Für die die Klickrate bedeutet das: Satte 5% klicken sich auf den Shop durch.
Diesen Shop haben wir uns übrigens vorher genau angesehen, um sicher zu stellen, dass wir ihn auch wirklich empfehlen können. Denn genau das sollte Affiliate-Marketing eigentlich sein: Empfehlungsmarketing.
Unsere Mühen zahlen sich auch: Der Shop macht einen guten Job und erfreut uns mit einer Conversionrate von 5%. Die Kunden packen im Schnitt 60 € in den Warenkorb.
Von diesen 60 € bekommen wir 10%. Wir sind nämlich gut, also bekommen wir die Extra-Profi-Sonderkonditionen. Das Fußvolk bekommt nur 5%.
Jetzt mal Butter bei die Fische! Was kommt rum?
So, wie löst sich diese Prozent-Kette jetzt auf?
Gehen wir von 1.000 Besuchern auf unserer Site aus
- 5% klicken, also senden wir 50 Interessenten zum Shop. Unser Verdienst: 0 €
- 5% werden Kunden. 5% von 50 sind 2,5. Also haben wir 2-3 Käufer generiert. Sagen wir 3. Diese 3 machen 180 € Umsatz im Shop
- 10% davon gehören uns, also bringen 1.000 Besucher uns 18 € Umsatz.
Damit man als Selbständiger - womöglich mit Familie - halbwegs sein Auskommen hat, müssen monatlich 5.000 € als Umsatz her.
Wenn 1.000 Besucher 18 € bringen, dann brauchen wir 278.000 monatliche Besucher, bzw. knapp 10.000 tägliche Besucher und das bitte Monat für Monat.
Sonst noch was?
Ja, das grausame S-Wort, S wie Storno. Nicht jeder Puter ist ein Guter. Manche zahlen nicht, manche senden die Ware zurück. Egal, in jedem Fall gibt´s keine Provision vom Shop.
Außerdem hat das Internet die unangenehme Eigenschaft Klicks zu verschlucken. Nicht jeder Klick, den wir auf unserer Site generieren kommt stromab auch wirklich beim Shop an. Das liegt in der Natur der Sache und ist bei den Redirecting-Kaskaden auch kein Wunder.
Fazit: Affiliate wird man nur im Team. Einem ausgekochten Techie mit einer Tendenz zum Blackhat und einem mit allen Wassern gewaschenen Vertriebsprofi, die sich auf eine Nische konzentrieren von der sie inhaltlich wirklich etwas verstehen würde ich eine Chance einräumen.
Die ganzen Hobbyisten, denen in Magazinen wie der Starting Up von den Reizen des Affiliate-Marketing vorgeschwärmt wird, hängen doch schon tot im Fallschirm, bevor sie den Boden überhaupt erreichen.
Zum Abschluß noch etwas Versöhnliches: Ein sehr schönes Panoptikum der verschiedenen Bewohner des Affiliate-Zoos, zusammenstellt von SEOkratie.
Randolf Jorberg sagt:
(29.3.2010 - 2:01 Uhr)
Spannendes Posting, aber die Zahlen sind traumhaft, d.h. fern der Wirklichkeit. Es gibt Themen, bei denen “1.000 Besucher uns 18 € Umsatz” bringen, aber das sind nicht die Themen, zu denen ich mehrere 100tausend Besucher generieren kann. In Wirklichkeit liegen die TKPs deutlich drunter, bei vielen Massenthemen auch unter 1€ / Tausend Besucher.
Zweitens frage ich mich wirklich, wieso man im Affiliate-Business für den Anfang einen Vertriebsprofi braucht - Techi und Marketer/Content-Mensch ist wohl immer noch die Traumkombination…
Albert Warnecke sagt:
(29.3.2010 - 11:47 Uhr)
@Randolf Jorberg: Danke für den Kommentar und die Zahlen. Das ich mit meinen Beispielen eher zu gut liege hatte ich schon vermutet. Bei TKPs unter 1 € braucht man wirklich nicht mehr anzufangen.
Bezüglich der Traumkombi: Da habe ich mich mißverständlich ausgedrückt. Ich dachte an einen introvertieren und einen extrovertierten Partner. Daher Vertrieb. Sie haben recht, Markting/Content trifft´s besser.
Und was sagen Sie?